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Berufsbildung trotz Corona stärken: Wirtschaft braucht talentierten Berufsnachwuchs

Von Daniel Hunziker

Viele Unternehmen konnten ihre Lehrstellen mit Lehrbeginn 2020 erfolgreich besetzen. Dennoch sind aktuell alleine im Kanton Zürich rund 3300 Lehrstellen unbesetzt, davon rund 180 im KV, 640 im Detailhandel und 300 für Coiffeure/Coiffeusen. Erschwerend kommt hinzu, dass Jugendliche, welche für Sommer 2020 eine Anschlusslösung suchen, wenig Möglichkeit erhalten, in den Betrieben zu schnuppern. Verschiedene Betriebe haben zwar bereits reagiert und bieten virtuelle Schnuppermöglichkeiten an. Der  vollständige Ersatz  des Schnupperns ausschliesslich  über den virtuellen Weg ist jedoch nicht möglich, da den Jugendlichen das Big Picture zum Beruf, zum Lehrbetrieb und zu Ansprechpersonen wie Praxisbildner*innen fehlt und sie keinen realen Einblick in den Beruf erhalten. Die soziale Komponente, die für Jugendliche bei der Entscheidungsfindung wichtig ist, kann virtuell nicht abschliessend angeboten werden. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass im Sommer 2020 tausende Lehrabgänger*innen in den Arbeitsmarkt gelangen – junge Berufsfachleute, die ihr angeeignetes Wissen nun in der Praxis anwenden wollen.

 

Was tun für Schulabgänger*innen?

Aktuell kann zwar noch nicht vollständig beurteilt werden, ob und in welchem Ausmass die Lehrstellen nicht besetzt werden können. Schulabgängerinnen und Schulabgänger brauchen nun aber Zeit sowie die Möglichkeit, sich zu bewerben, sich vorzustellen und zu schnuppern. Das Ziel soll sein, dass Schulabgänger*innen eine Anschlusslösung für Sommer 2020 finden und keinesfalls mit leeren Händen dastehen. Müssten aus wirtschaftlichen Gründen Lehrstellen gestrichen werden, so ist über eine Finanzierungsunterstützung für in Schieflage geratene Lehrbetriebe durch den Berufsbildungsfonds nachzudenken. Als Überbrückungsangebot könnten zudem für Schulabgänger*innen ohne Anschlusslösung befristete Praktika von sechs bis zwölf Monaten mit anschliessendem Übergang in eine reguläre Berufsausbildung angeboten werden.

 

Arbeitsgruppe des Bundes prüft mögliche Massnahmen

Inwiefern die Auswirkungen auf die Rekrutierung und auf den Ausbildungsbeginn abgefedert werden können, prüft aktuell die Arbeitsgruppe des Bundes «Rekrutierung von neuen Berufslernenden». Ohne der Arbeitsgruppe bereits zuvorkommen zu wollen, sind pragmatische Ansätze von allen Seiten gefordert, seien es die Lehrbetriebe, die Branche oder die Berufsfachschule. Es soll möglich sein, dass Lehrstellen für 2020 ohne Nachteile für die Lernenden noch bis Herbst dieses Jahres besetzt werden können. Die Ausdehnung der Rekrutierungsphase bis Herbst 2020 würde es ermöglichen, eine angespanntere Situation für die Lehrstellenbesetzungen 2021 zu minimieren. Diese Flexibilität für einen leicht verspäteten Lehrbeginn könnte so den Schulabgänger*innen die nötige Zeit verschaffen, damit sie den Anschluss nach der obligatorischen Schulzeit nicht verlieren. 

 

Schnuppern in Zeiten von Schutzmassnahmen – Lehrbetriebe sind gefordert

Der Appell an die Wirtschaft lautet: Unmittelbar sollen möglichst alle Lehrstellen besetzt werden. Weiter sollen Lehrbetriebe ihre Lehrstellen für 2021 im gleichen Rahmen wie bisher budgetieren und anbieten. Um Jugendliche in der Berufsfindung zu unterstützen, sollen zudem wieder Schnuppermöglichkeiten angeboten werden. Laut SBFI gilt der Grundsatz: Schnupperlehren können grundsätzlich immer dann durchgeführt werden, wenn in den Betrieben gearbeitet wird – es gelten die gleichen Schutzkonzepte wie für alle anderen Arbeitnehmenden. Daher sollen Lehrbetriebe wenn immer möglich virtuelle Schnupper- oder Erstkontaktmöglichkeiten anbieten, digitale Berufsinformationen zur Verfügung stellen und im Rahmen der Schutzmassnahmen Schnuppertage anbieten.

 

Lehrabgänger*innen: Junge Berufsfachleute brauchen Weiterbeschäftigung

Die Ausbildung ist vollbracht und nun steht der nächste Schritt an. Einige werden bewusst eine Verschnaufpause einlegen, andere starten mit einer Weiterbildung, für viele steht der Militärdienst an und wiederum andere stehen in den Startlöchern, um in der Berufswelt Fuss zu fassen. Insbesondere für diese junge Berufsgruppe ist ein Stellenantritt direkt nach der Lehre schwierig. So steht die Forderung im Raum, Lehrabgänger*innen weiterzubeschäftigen, wenn auch nur für eine befristete Zeit. Nicht nur aus sozialen Überlegungen, auch ökonomisch macht es absolut Sinn, die frisch ausgebildeten Berufsfachleute im Betrieb zu halten. 

Jetzt nicht bei den Lehrstellen kürzen!

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Daniel Hunziker ist Junior HR Business Partner und Berufsbildungsverantwortlicher bei Maagtechnic AG, einem KMU mit 200 Mitarbeitenden und 20 Lernenden.

Er ist seit September 2019 Mitglied bei der JGLP und GLP Embrachertal, wo er demnächst als Vorstandsmitglied mitwirkt.

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