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KRIMI IM KANTONSRAT – RETTET DIE BIENEN!

Bienen sind offiziell die wichtigsten Lebewesen auf unserem Planeten. Es gibt kein Leben ohne Bienen. Immerhin werden weltweit fast 90 % aller Blütenpflanzen und drei Viertel aller Nutzpflanzen von Insekten bestäubt. 87 der weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen werden ganz oder teilweise durch Bestäubung befruchtet, darunter auch Kaffee, Kakao, Mandeln, Tomaten und Äpfel. Der wirtschaftliche Wert dieser Ökosystem-Dienstleistung liegt in der Grössenordnung von mehreren hundert Milliarden Franken pro Jahr.

Sie faszinierten mich schon als Teenagerin: Einen meiner ersten frei wählbaren Vorträge widmete ich diesen einzigartigen Lebewesen und begleitete dabei auch einen Imker in den Bienenstock. Nun wissen wir aber, dass die unersetzlichen Bienen, unsere fleissigen «Ökosystem-Dienst­leister», weltweit in Gefahr sind.

Das Postulat “135/2018: «Rettet die Bienen – zum Zweiten” verlangt, dass für die Bewirtschaftung resp. Verpachtung von kantonseigenem Kulturland keine bienenschädigenden Pestizide eingesetzt werden dürfen. Als bienen- respektive insektenschädigend gelten bspw. Neonicotinoide, Cypermethrin, Deltamethrin und Chlorpyrifos.

Vor 5 Jahren lehnte der Regierungsrat ein erstes, gleichlautendes Postulat «Rettet die Bienen» ab. Er begründe­te dies damit, dass ein Verzicht auf solche Pestizide gemäss den damaligen Studien «keinesfalls» zur Förderung der Bienengesundheit beitrage. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben uns des Gegenteils belehrt.

Wir wissen, dass die Problematik um das Bienensterben dringender denn je ist. Denn wir sind dabei, unsere eigene Lebensgrundlage zu zerstören. Ohne die bestäubenden Insekten müssen wir dramatische Folgen für die Landwirtschaft befürchten, vor allem für den Obstbau. Zudem geht es hier ja «nur» um Landwirtschaftsland des Kantons.

Haben Sie den Film «More than Honey» von Markus Imhof schon gesehen?

Er führt die nackte Wahrheit mit Paukenschlag vor. Es ist harte Kost, zu sehen, wie die Bienen auf amerikani­schen Grossplantagen durch profitgierige und rücksichtslose Unternehmer wie eine Massenware schändlich und respektlos gehandelt, behandelt und im ganzen Kontinent herum transportiert werden. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre… Man sieht auch, wie in China und anderen südostasiatischen Ländern Frauen und Männer die Obstbäume von Hand bestäuben, weil die Bienen ihre vormals versprühten Gifte nicht überlebt haben. Auch unsere Bienen wurden in den letzten Jahren stark dezimiert. Mehr als die Hälfte aller Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht. Da stellt sich uns schnell mal die Frage, ob wir lieber vorsorglich auf insekten- und bienen­toxische Gifte verzichten oder in einigen Jahren ebenfalls unsere Obstbäume und andere Lebensmittel von Hand bestäuben wollen.

Lassen wir es nicht so weit kommen! Gehen wir als Kanton mit gutem Beispiel voran und verzichten auf bienenschädigende, da hochwirksame Insektizide auf kantonseigenem Kulturland.

Dem Physiker Albert Einstein wird das Zitat zugeschrieben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Die Echtheit des Zitats ist umstritten. Gewiss ist jedoch: Die Biene ist tatsächlich eines der wichtigsten Nutztiere in der modernen, globalisierten Landwirtschaft. Einen Drittel von allem, was wir essen, gäbe es nicht ohne die Bienen.

Und falls dieser Weckruf noch nicht genügt, dopple ich gerne noch mit etwas Dramaturgie zum Wirken der rote-Liste-Pestizide nach, mit dem Bienenkrimi im Kantonsrat.

  1.   Neonicotinoide, zu finden in den Saatgutbeizmitteln, wirken für die Bienen als Nervengift. Die Bienen können sich nicht mehr orientieren, erleiden Krämpfe, was schliesslich zum Tod führt. Die EU hat drei Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide im Freiland­anbau bereits verboten. Neonicotinoid-Insektizide werden in der Pflanze nur langsam abgebaut und ihre Wirkung kann ein halbes Jahr lang anhalten.
  2.   Cypermethrin und Deltamethrin sind Insektizide der Gruppe Pyrethroide. Es sind Kontaktgifte. Insekten nehmen Cypermethrin über die Körperoberfläche auf, worauf es sich im ganzen Insektenkörper verteilt. Es ist ebenfalls ein Nervengift, führt zu Krämpfen, dann zu Koordinationsstörungen und schliesslich zu einer Lähmung. Wegen dem schnellen Insekten-Tod spricht man auch von einem „Knock-Down-Effekt“.
  3.   Chlorpyrifos ist ein Insektizid aus den 60er-Jahren. Auch dieses wirkt als Insekten-Nervengift, ist aber auch äusserst giftig für Vögel, Säugetiere, Fische, Amphibien, Insekten wie auch für den Menschen. In Deutschland ist es schon seit über 11 Jahren verboten (2009). Im Juni 2019 hat das BLW (endlich) alle zwölf Pestizide mit dem Wirkstoff Chlorpyrifos verboten, aber nicht alle per sofort.

Mit all diesem Wissen sollte die Sachlage eigentlich klar sein. Wir müssen die Bienen vor ihrem Tod durch diese Nervengifte schützen, eigentlich nicht nur auf den kantonalen Landwirtschaftsflächen.

Der Erhalt der Bestäubungsfähigkeit unserer Bienen ist von übergeordnetem Interesse. Im Interesse von uns allen, im Interesse der Natur, der Artenvielfalt, der Bienen und vor allem auch der Bauern.

 

Sonja Gehrig

Kantonsrätin Grünliberale Zürich

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